Altersstarrsinn

So kannst Du damit umgehen

Altersstarrsinn, kann es sein, dass dies im Alter wirklich immer schlimmer wird? Oft empfinden wir es so.
Wir verstehen unsere Eltern nicht mehr. Sie sind so unvernünftig geworden, dass es oft schwer fällt dies zu ertragen. Es kommt zu Konflikten, unsere Eltern reagieren auf unsere Ratschläge und Hilfe oft ablehnend oder schon aggressiv. Je nachdem wie ausgeprägt dieses Verhalten ist, kann es sehr belastend sein.
Wir kennen unsere Eltern kaum noch wieder.

 

Was steckt hinter diesem Verhalten?

Ich habe mich mal dran gemacht, diese Starrsinnigkeit zu hinterfragen. Was könnte hinter diesem Verhalten stecken?
Starr – sinnig
Starr: steif, nicht beweglich, fest
Sinnig: sinnvoll, nachdenken, durchdacht
Wir denken also über unsere Eltern, dass sie in ihrem Denken steif und starr sind. Vielleicht ist es so, dass sich unsere negativen Eigenschaften im Alter verstärken, aber sind wir – wir erwachsene Kinder – nicht auch in unsrem Denken starr, wenn wir denken, dass unsere Eltern sich anders verhalten sollten, und zwar so, wie wir es schon von früher gewohnt sind? Können nicht auch wir in unserem Denken etwas beweglicher werden, dass sich die Lage entspannt?

Das kannst Du tun, damit sich die Lage etwas entspannt

 

Verständnis finden

Kannst du Dir vorstellen, was in Deinen Eltern vorgeht? Kannst Du Dir vorstellen, was für eine Veränderung Deine Eltern gerade durchmachen?
Was würde passieren, wenn Deine Eltern in ihrem Denken nicht so starr wären?
Sie müssten sich eingestehen, dass sie alt sind, dass sie ihre Selbstständigkeit verlieren, dass sie sich in der letzten Lebensphase befinden und sie müssten sich mit ihrem Lebensende beschäftigen. Sie möchten nicht, dass sich etwas verändert, dass sie sich verändern.
🤔 Ich glaube, dass es vielen Menschen schwerfällt, sich damit auseinanderzusetzen. Da ist es doch viel einfacher, abzublocken und starrsinnig zu sein – die Augen zu verschließen und das unausweichliche einfach nicht zu sehen.
Wir sind doch alle Spezialisten darin, unseren Ängsten aus dem Weg zu gehen, oder?

Was mir in solchen Momenten immer geholfen hat

Frage Dich doch einmal:
Wenn Du in dieser Lage wärst und so reagieren würdest, wie es deine Eltern gerade tun, aus welchen Gründen würdest Du so reagieren?
Durch diese Frage habe ich immer Mitgefühl und Verständnis gefunden und die Situation konnte sich beruhigen.

 

Lass Deinen Eltern ihre Gefühle

Was ich damit sagen möchte ist: Versuche nicht Deinen Eltern ihre Gefühle auszureden. Hacke nicht ständig darauf rum, dass sie so starrsinnig und unvernünftig sind.
Ob Deine Eltern im Alter schwierig werden, hängt davon ab, was sie in ihrem Leben alles erlebt haben, welche Erfahrungen und Prägungen sie auf ihrem Weg gesammelt haben, welche Werte ihnen wichtig sind und was sie über sich und ihr Leben denken.
Es ist sinnlos ihnen ihre Gefühle ausreden zu wollen. Sie haben ein Recht darauf.

Außerdem sind es Deine Gedanken und Gefühle, die Dir sagen, dass das was Deine Eltern da machen nicht richtig ist. Es sind Deine Ängste, wenn sie wieder etwas Unvernünftiges tun (was jetzt nicht heißt, dass Du einfach über alles hinweg schauen sollst – doch dazu gleich mehr) Es sind Deine Ängste und Deine Gefühle und auch Du möchtest damit gehört und verstanden werden, oder?

Vielleicht möchtest Du Deine Eltern mal hinterfragen, erfahren was dahinter liegt – einfach nur mal zuhören.

 

Behandele Deine Eltern mit Respekt und auf Augenhöhe!

Hör auf zu kritisieren, zu belehren und erziehen. Deine Eltern sind erwachsene Menschen mit all ihren (wie oben bereits erwähnt) Prägungen, Werten, Erfahrungen und ihrem Denken.
Leider neigen wir leicht dazu, sobald die Eltern ihre Selbstständigkeit verlieren und hilfsbedürftig werden, ihnen zu sagen was sie zu tun haben.
„Warum hast Du schon wieder …; Das kannst Du doch nicht machen; Das ist nicht richtig, wenn etwas passiert; Lass das doch, ich kann das doch machen; Das kannst Du doch nicht mehr; usw.

Wir können unsere Eltern nicht dazu zwingen, dass sie Hilfe annehmen. Wie gesagt es sind erwachsene Menschen und auch wenn wir ihr Verhalten nicht verstehen können, sollten wir es wenigstens versuchen.

Auch wenn ich an meine eigenen Erfahrungen zurückdenken, erinnere ich mich, wie schnell ich meinem Papa Dinge abgenommen habe, die er eigentlich noch selbst erledigen konnte. Ich habe es gut gemeint und wollte nur helfen. Dabei bin ich auf Ablehnung gestoßen und nicht selten kam es dabei zum Streit. Ich musste erkennen, dass ich ihm damit ein Gefühl von Abhängigkeit und Ohnmacht gegeben habe. Ich kann mir vorstellen, dass dies für ihn nicht leicht war.

Es war auch für mich nicht leicht ihn zu lassen, aber ich habe gelernt seine Grenzen zu akzeptieren, ich war da, wenn er Hilfe brauchte und wir fanden gemeinsam Lösungen, auch wenn er nicht begeistert darüber war und dadurch wieder ein Stück seiner Selbständigkeit verlor. Es ist ein Prozess dies zuzulassen, für unsere Eltern und auch für uns.

 

Gemeinsam einen Weg finden

Vermittele Deinen Eltern, dass ihr gemeinsam einen Weg findet, der für alle Anwesenden in Ordnung ist.
Geht es darum, dass eine Entscheidung getroffen werden muss, setzt euch zusammen und besprecht die Lage. Finde im Vorfeld Lösungsmöglichkeiten und lege diese Deinen Eltern vor. Erwarte aber nicht, dass sie sofort eine Entscheidung treffen. Lass ihnen etwas Zeit sich an den Gedanken zu gewöhnen. Nerve nicht, aber bleibe trotzdem dran, sonst kann es bei Deinen Eltern leicht in Vergessenheit geraten😉.

 

Du darfst Dir Hilfe holen

Wenn Du gar nicht mehr an Deine Eltern rankommst, kann ein außenstehender Dritter sinnvoll sein. Ärzte, Pflegekräfte/Sozialstationen, Freunde oder Bekannte bekommen eher einen Zugang zu Deinen Eltern und sie lassen sich dann leichter auf die Veränderung ein.
Auch ich habe mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass es plötzlich einfach wurde, als wir außenstehende Dritte zum Gespräch dazu holten. Hilfe bei der Körperpflege war unter anderem ein großes Thema damals und ich bin heute noch dankbar für die Unterstützung der Pflegekräfte, die ein Händchen dafür hatten, dass mein Papa diese Hilfe überhaupt angenommen hat.

 

Du darfst auch an Dich denken

Bei allem Verständnis, dass Du für Deine Eltern hast – Du darfst auch an Dich denken.

Leider gibt es Fälle, in denen die Situation so verhärtet ist, die Eltern so starr sind, dass kein zusammen kommen mehr möglich ist. Wenn die Situation so eingefahren und schwierig ist, kein Verständnis, kein Respekt und kein gutes Wort mehr hilft, dann gibt es manchmal nur noch die Möglichkeit sich rauszuziehen, um sich selbst zu schützen.

Ich kenne einen Fall, bei dem absolut keine Verständigung mehr möglich war, bei dem die Situation so eskalierte, dass der Sohn keinen anderen Weg mehr fand und seinen Vater sich selbst überlassen hat. Ich möchte nicht näher darauf eingehen und ich möchte Dir auch keine Angst machen. Ich möchte Dir damit sagen, dass Du auch ein Recht auf Dein Leben hast, dass Du auch auf Dich achten musst und schauen darfst, was für Dich das Beste ist.

Ich hoffe ich konnte Dir mit diesem Beitrag etwas weiterhelfen. Vielleicht findest Du so ein bisschen Verständnis für diese Situation und es wird dadurch etwas leichter für Dich.

Du kannst Deine Eltern nicht verändern,
Du kannst die Situation nicht verändern,
aber Du kannst verändern, wie Du darauf reagierst und dann kann sich so viel verändern.

 

Von Herzen alles Liebe für Dich

Silvia Haugg

P.S.: Wenn Du Hilfe und Unterstützung brauchst, bin ich gerne für Dich da. Ich biete Dir ein kostenloses Kennenlerngespräch an. Melde Dich einfach bei mir und wir klären gemeinsam ob und wie ich Dir helfen kann.

 

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